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Der neue KfW-Effizienzhaus-Standard

Die KfW-Förderbank hat neue Merkblätter und technische Mindestanforderungen für die Förderung von Neubauten im Programm „Energieeffizient Bauen“ (153) veröffentlicht, die ab April 2016 gelten werden. KfW-Experte Markus Schönborn, Abteilungsdirektor Produktmanagement Wohnen, über die KfW-Effizienzhäuser und den neuen Standard 40 Plus:

rb: Mit ihren Förderprogrammen „Energieeffizient Bauen“ und „Energieeffizient Sanieren“ unterstützt die KfW den Bau oder Ersterwerb eines neuen KfW-Effizienzhauses beziehungsweise die Sanierung zum Effizienzhaus. Doch was ist eigentlich unter einem KfW-Effizienzhaus zu verstehen?

M. Schönborn: Der Begriff KfW-Effizienzhaus bezeichnet grundsätzlich einen bestimmten energetischen Standard eines Gebäudes. Dabei wird die energetische Qualität auf Basis des jährlichen Primärenergiebedarfs und des Transmissionswärmeverlustes gemessen. Als Primärenergiebedarf wird die Energiemenge bezeichnet, welche erforderlich ist, um den gesamten Energiebedarf eines Gebäudes zu decken. Der Transmissionswärmeverlust wiederum beschreibt die Energiemenge, die bei einer beheizten Immobilie nach außen verloren geht. In der Energieeinsparverordnung (EnEV) hat die Bundesregierung für beide Referenzgrößen Höchstwerte für Neubauten festgelegt. Auf Grundlage dieser Bestimmungen hat die KfW verschiedene KfW-Effizienzhaus-Standards entwickelt. Als Referenzwert gilt 100. Das bedeutet, dass ein KfW-Effizienzhaus 100 die Anforderungen der EnEV an Neubauten erfüllt.

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Markus Schönborn, Abteilungsdirektor Produktmanagement Wohnen der KfW. Bild: KfW

rb: Was bedeuten die anderen Standards KfW 40, 55 und 70 in der Neubauförderung?

M. Schönborn: Diese Bezeichnungen stehen für verschiedene energetische Standards, die die KfW ihren Förderprodukten zugrunde legt. Die jeweiligen Zahlenwerte geben den jährlichen Primärenergiebedarf an, den die Gebäude im Verhältnis zu vergleichbaren Neubauten höchstens haben dürfen. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Zahlenwert, desto geringer ist auch der Primärenergiebedarf einer Immobilie und umso höher die Energieeffizienz. Um ein Beispiel zu nennen: Der jährliche Energiebedarf eines KfW-Effizienzhauses 70 fällt um 30 Prozent geringer aus als bei einem vergleichbaren Neubau gemäß EnEV, dem KfW Effizienzhaus 100. Und ein KfW-Effizienzhaus 55 benötigt nur 55 Prozent der Energiemenge eines KfW Effizienzhauses 100.

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Viele Hersteller, darunter Rensch-Haus, bauen bereits KfW-Effizienzhäuser 40 Plus. Foto: Rensch-Haus

rb: Und wie sieht die Förderung in diesem Fall aus?

M. Schönborn: Die Formel hinter der KfW-Förderung ist einfach: Je geringer der Energiebedarf der neuen Immobilie, desto höher ist der Tilgungszuschuss, den die Bauherren von der KfW erhalten können. Kurz: Desto weniger müssen Sie von Ihrem Kredit zurückzahlen. Bis zu 5.000 Euro Tilgungszuschuss ist möglich. Weiterer Vorteil ist ein günstiger Zinssatz, der momentan bei 0,75 Prozent pro Jahr anfängt. 50.000 Euro können pro Wohneinheit aufgenommen werden, ab 1. April 2016 sogar 100.000 Euro. Außerdem können die Kredite flexibel mit anderen Fördermitteln kombiniert werden, zum Beispiel mit dem KfW-Wohneigentumsprogramm.

rb: Mit einem Anteil von 70 Prozent war das KfW-Effizienzhaus 70 in den vergangenen Jahren der beliebteste Standard. Zum 1. April 2016 entfiel dieser aber. Warum?

M. Schönborn: Im Januar 2016 wurden die Anforderungen der Energiesparverordnung an Neubauten verschärft. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass die KfW mit ihren Förderprogrammen zu mehr Energieeffizienz in Deutschland beigetragen hat. Ab dem nächsten Jahr gelten höhere energetische Anforderungen für Wohngebäude in Deutschland. Das seit 2009 von der KfW geförderte Effizienzhaus 70 wird dann fast dem gesetzlichen Mindeststandard bei Wohnungsneubauten entsprechen. Deshalb haben wir die Förderung neu aufgestellt, um weiterhin attraktive Kredite für energetisch anspruchsvollere Neubauten anbieten zu können.

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Die sogenannten KfW 40 Plus-Häuser erzeugen mehr Energie, als sie selbst verbrauchen. Foto: SchwörerHaus

rb: Und was bietet die KfW stattdessen an?

M. Schönborn: Neben den bestehenden Förderstandards KfW-Effizienzhaus 55 und 40 haben wir am 1. April 2016 einen neuen Standard, das KfW-Effizienzhaus 40 Plus, eingeführt: Damit fördern wir Gebäude, die Energie erzeugen sowie speichern können, und so den eigenen Energiebedarf zu einem wesentlichen Teil selbst decken. Außerdem bietet die KfW seitdem ein vereinfachtes Nachweisverfahren für das KfW-Effizienzhaus 55 an. Ich bin zuversichtlich, dass wir so ab 2016 einen deutlichen Zuwachs bei den besonders energieeffizienten Neubauten erreichen werden.

rb: Wie ist das KfW-Effizienzhaus 70 denn überhaupt noch zu bewerten?

M. Schönborn: Der Standard vom KfW-Effizienzhaus 70 hat immer noch ein etwas besseres energetisches Niveau als es die EnEV für Neubauten ab dem 1. Januar 2016 vorschreibt. Deshalb hat es die KfW zunächst auch weiterhin gefördert. Auf Langzeit gesehen wollten wir dies aber nicht, da die KfW Anreize für den Bau energetisch hochwertigerer Neubauten setzen will. Trotzdem wurden alle Anträge auf Förderung von EH-70, die bis zum 31. März 2016 in der KfW vorlagen, wie gehabt zugesagt.

Titelbild: Baufritz Plusenergiehaus Wriedt

O. Rautenberg