Media | Newsletter | Kontakt | Impressum

ratgeberbauen kostenlos als PDF

Sind Sie an den neusten Nachrichten, Trends und gesetzlichen Änderungen aus dem Bauen- und Wohnen-Umfeld interessiert? Dann melden Sie sich an und verpassen Sie keine Ausgabe und keine News mehr.
  • Brandaktuelle News und
    Informationen
  • Praktische Hilfe in der Entscheidungs-
    bzw. Orientierungsphase
  • Immer die aktuelle ratgeberbauen
    kostenlos vor Erscheinungstermin
1 E-Mail-Adresse eintragen.
2 Newsletter-Registrierung bestätigen.
3 Newsletter + Ausgabe von „ratgeberbauen“ erhalten.
Datenschutz-Hinweis

The Return Of Reihenhaus

Mit Sicherheit hatte die irische Architektin Michelle Howard, Universitätsprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, viele Intentionen, als sie die Ruine der alten Seifenfabrik in Berlin-Weißensee entdeckte. Entstanden ist dort letztendlich ein Reihenhaus, das so überhaupt nicht den Bildern der üblichen und eintönigen Reihenhauszeilen und – grundrissen entspricht.

Der Urzustand - ratgeber bauen

Vom ursprünglichen Haus konnte nur der Grundriss gerettet werden.

Der Grund ist die Lückenbebauung an sich, hier mit unterschiedlichen Geschosshöhen, verspringenden Grundrissen in beiden Haushälften und einer Stapelung der Räume. Dieser Eindruck erschließt sich dem Gast aber erst im Inneren. Obwohl mittig wie ein Reihenhaus geteilt, hat die Architektin mutig und mit Erfolg unterschiedliche Planungs-ansätze zu einem individuellen Entwurf zusammengeführt.

Ungewöhnlicher Neubau an geschichtsträchtigem Ort

Berlin-Weißensee ist schon seit der Gründerzeit attraktiv für Industrie, Handwerk und Gewerbe. Die Bebauung – damals wie heute – besteht hauptsächlich aus zwei- bis vier-
geschossigen Gebäuden mit integrierten oder angrenzenden Werkstätten. Auf dem von Michelle Howard erworbenen Grundstück befand sich bis in die 1960er-Jahre eine Seifen-fabrik. Die Architektin wollte eigentlich sanieren und umbauen, erinnerte sie das Gebäude doch an ein typisches Landhaus ihrer irischen Heimat. Das Vorhaben scheiterte jedoch. Chemikalien, die zur Herstellung von Seife dienten, hatten die Bausubstanz bis auf die Grundmauern zerstört. Abriss und Ersatzneubau waren nicht zu vermeiden.

Zwei Jahre Verhandlungen mit dem Bauamt und keine Symmetrien

Der Entwurf sah vor, den alten Grundriss samt Toreinfahrt für Pferdegespanne aufzugreifen und sich an den Traufhöhen der Nachbarbebauung zu orientieren. Die darauf folgenden Verhandlungen mit dem Bauamt dauerten fast zwei Jahre. Heute teilt sich die aus zwei Parteien bestehende Eigentümergemeinschaft zwei moderne viergeschossige Wohneinheiten mit vertikal und horizontal verspringenden Wänden. Diese Aufteilung der Räume und Flächen, verschachtelt und gestapelt, bescherte dem Objekt seinen Namen: Stacked House. Jede Etage und jeder Raum unterscheiden sich in Grundfläche sowie Höhe und sind individuell auf die Bedürfnisse der Familien zugeschnitten. In beiden Wohneinheiten gibt es keine Symmetrien.

Stacked House - ratgeber bauen

Ton, Beton, Glas und Aluminium: Das sind die beherrschenden Materialien im Inneren des Hauses. Unverputzt und in ihrer „ursprünglichen Ehrlichkeit“ belassen, so die Architektin Michelle Howard, entwickeln sie einen besonderen Charme.

Imprägniert und atmungsaktiv

Ungewöhnlich, kreativ und von überzeugender ästhetischer Qualität ist die Gestaltung der Fassade. Die Außenwände aus massivem einschaligen Mauerwerk sind dünn mit einer atmungsaktiven, mineralischen und feuchtigkeitsbeständigen Schlämme beschichtet, die je nach Sonnenstand verschiedenfarbig schimmert. Dadurch wird das Relief jedes einzelnen Ziegels betont.

Stacked House - Außen wie innen ist die Ziegelstruktur sichtbar. - ratgeber bauen

Links: Poroton-Ziegel, fast pur gemauert, mit vertikal vermörtelten Stoßfugen; Damit die Struktur der Ziegel sichtbar bleibt, erhielt die Fassade nur eine Schlämme als Anstrich. Rechts: Wohnliche Atmosphäre durch Farbe: Die Bewohner haben in ausgewählten Bereichen die Ziegel im Inneren mit satten Tönen gestrichen. Trotzdem bleibt die Struktur der Ziegel sichtbar.

Die markante Wandstruktur steht im Kontrast zur Feinheit der Fensterrahmen. Diese sind umlaufend aus einem schmalen Aluminiumprofil, das außenbündig mit der Fassade abschließt und als Anschlag dient. Dadurch entstehen im Inneren große Fensternischen, die den Räumen unterschiedlichen Charakter verleihen und den Lichteinfall lenken. Die Dreifach- Isolierglasfenster sind ebenfalls unterschiedlich groß, zum Teil asymmetrisch, aber wohlproportioniert angeordnet. Auf der Fassade umlaufende Aluminiumbänder in Höhe der Geschossdecken verbergen nichtkeramische Materialien und unterstützen optisch die Gliederung des Baukörpers.

Stacked House - Fassade in Ziegel und Aluminium. - ratgeber bauen

Die Fassade besticht durch innovative und ästhetisch überzeugende Gestaltung: unterschiedliche Geschosshöhen, asymmetrisch angeordnete Fenster mit Aluminiumprofil und umlaufende Aluminiumbänder, die nichtkeramisches Material verdecken.

 Funktionalität und Minimalismus

Das Raumkonzept orientiert sich an einem einfachen irischen Landhaus mit einem einzigen großzügigen Raum im Erdgeschoss, der als Wohn- und Essbereich genutzt wird. Die Raumhöhe von 3,20 Meter, teilweise durch eine offene Galerie auch 6,70 Meter, wirkt noch imposanter durch die unverputzten Innenwände aus Poroton-Ziegeln und Sichtbeton, in Teilen farbig gestrichen. Auf den weiteren Etagen sind eine Wohngalerie, Schlaf-, Gäste- und Kinderzimmer, Bäder sowie ein Atelier untergebracht. Wohnungstrenn- und nichttragende Innenwände bestehen aus unbehandeltem Sichtbeton; auch Filigranbetondecken wurden weder gestrichen noch verputzt.

Stacked House - Viel Sichtbeton und eine selbst geplante Küche. - ratgeber bauen

Zu ebener Erde befindet sich das Herz des Stacked House: der Wohnbereich und die selbst entworfene Küchenzeile. Ein schmales Fensterband ermöglicht den Blick auf die Straße, bewahrt aber die Privatsphäre. Deutlich zu erkennen sind die unbehandelten Oberflächen der Filigranbetondecke und der Treppe.

 Innovativ und werthaltig

Als Verfechterin nachhaltigen Bauens und von Energieeffizienz entschied sich Howard für eine „ehrliche monolithische Bauweise“ – ohne künstliche Dämmung an der Fassade und ohne Putz. Für die Außenwände kamen Poroton-Wandlösungen – mit Perlit verfüllte 36,5 Zentimeter starke Poroton-S11-P und Poroton-T8-P von Wienerberger – zum Einsatz. Mit den sehr niedrigen Wärmeleitfähigkeitswerten von 0,08 und 0,11 W/mK und der Druckfestigkeitsklasse 8 lassen sich die Anforderungen der EnEV und der Statik gut in Einklang bringen. Die Haustrennwand zur Nachbarbebauung wurde aus Schall- und Brandschutzgründen mit Planfüllziegeln (PFZ-T 24,0), die mit Beton verfüllt sind, aufgemauert. Dank abgestimmter Ergänzungsprodukte wie Deckenrand- und U-Schalen konnten Anschlussdetails sicher ausgeführt werden, mit dem Ergebnis einer wärme-brückenminimierten, energieeffizienten und überaus wirtschaftlichen Wandkonstruktion.

Stacked House, Gartenansicht - ratgeber bauen

Auch auf der Gartenseite dominieren raumhohe Fenster mit Aluminiumprofilen. Von der Galerie im ersten Obergeschoss genießen die Bewohner den Blick auf einen großen Nussbaum im angrenzenden Garten.

Diffusionsoffene Poroton-Ziegel sorgen für wohngesundes Raumklima. Da Temperaturschwankungen durch die Aufnahme und Abgabe von Wärme ausgeglichen werden, bleiben die eigenen vier Wände im Winter wohlig warm und im Sommer angenehm kühl. Die Ziegel reduzieren nicht nur Heizwärme-verluste und helfen damit die Betriebskosten zu senken, sie verringern durch den Verzicht auf zusätzliche künstliche Dämmung auch die Baukosten. Die Architektin entschied sich für eine oberflächennahe Gründung ohne Keller, ließ eine 40 Zentimeter dicke Sohlplatte gießen und mit einer umlaufenden Frostschürze versehen.

Stacked House - Rohbau - ratgeber bauen

Das vierstöckige Zweifamilienhaus entstand als Lückenbebauung auf dem Grundstück einer abgetragenen Seifenfabrik. Es wurde als Massivbau aus einschaligem Mauerwerk mit Perlit verfüllten Poroton-Ziegeln errichtet – ohne zusätzliche künstliche Dämmung an der Fassade. Das Besondere an diesem Haus sind horizontal und vertikal verspringenden Wände und Decken der einzelnen Etagen.

Urbane Innovation

Das Berliner Doppelhaus wurde Sieger des KfW-Award Bauen und Wohnen 2014 – bei der Bauaufgabe „Renaissance des Reihenhauses“. Gesucht wurden private Bauherren, die auf kleinen Grundstücken Reihenhäuser neu gebaut oder umfassend modernisiert hatten. Für die Jury stellte das Gebäude eine Innovation urbanen Wohnens dar. Es gibt keine gerade Trennwand zwischen den Haushälften. Die Räume sind ineinander verschachtelt. So verfügen die Hausherren heute trotz des schmalen Grundstückes, individuell angepasst, über ausreichenden Wohn- und Arbeitsraum. Auch ästhetisch gingen die Bauherren neue Wege. Die einschalige Wand aus Poroton-Ziegeln – ohne zusätzliche Wärmedämmung an der Fassade – wirkt trotz Schlämme unverputzt und bleibt so in ihrer Mauerwerksstruktur sichtbar.

Mehr Informationen zum Thema Ziegel bekommen Sie auf der Herstellerwebseite.

Alle Bilder: Wienerberger / Frank Korte

O. Rautenberg