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Flight Cancelled – 747 Wing House

Es gibt Gebäude, die sind so faszinierend … man weiß gar nicht, wo man mit dem Schwärmen beginnen soll. Nahe Malibu haben David Randall Hertz und sein Team ein solches Traumhaus geschaffen – mit hohem Recycling-Anteil und einem sogar amtlich registrierten Dach.

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Bis ins Detail durchdacht: Die Feuerstelle wurde aus einer Triebwerksverkleidung gestaltet. Foto: David Hertz

Schon das Grundstück ist ein Traum: Fast 14 Hektar groß, befindet es sich etwas abgelegen in den Santa Monica Mountains, allerfeinster Postkarten-Panoramablick inklusive. 1993 fiel die ursprünglich dort erbaute Residenz einem Waldbrand zum Opfer, lediglich ein paar Grundmauern blieben übrig.

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Foto: Laura Doss

Freie Sicht dank Stufen
Architekt David Hertz suchte natürlich nach einer Gebäudeform, die den Blick auf Berge, Täler und den Pazifik nicht stört. Die Kundin wiederum wünschte sich geschwungene Formen und eine Anpassung an die Umgebung – bei gleichzeitiger Verwendung möglichst vieler noch vorhandener Strukturen. Hertz entschied sich schnell für ein dreistufiges Gebäude, um von überall ein freies Blickfeld zu ermöglichen. So ergab sich auch eine flache, geschwungene, fast schwebende Dachform, die schon in den ersten Entwürfen einem Flügel ähnelte.

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Durch die selbsttragende Konstruktion benötigen die rund neun Tonnen schweren „Flügel“ nur je zwei Stützen. Dank der Tanks ließen sich die Tragflächen optimal befüllen – dieses allerletzte Mal allerdings mit Dämm-Material, anstatt mit Kerosin. Foto: David Hertz

Warum also nicht echte Tragflächen verwenden, anstatt ein derartiges Dach zu bauen? Nach weiterer Recherche wurde klar, dass für diese Anforderung nur die Tragflächen einer Boeing 747 in Frage kommen würden: Aufgrund ihrer Dimensionen von jeweils rund 38 x 14 Metern ermöglichen sie eine großflächige, selbsttragende Konstruktion, die mit jeweils zwei, an den ursprünglichen Triebwerksaufnahmen angebrachten, Stützen auskommt.

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Tower Air N611FF ein letztes Mal in einem Stück, die Triebwerke fehlen allerdings schon. Foto: David Hertz

„Eine Boeing 747 bitte!“
In der Mojave-Wüste wurde Hertz fündig: Um die 30.000 Dollar kostete der komplette Jet, der im Mai 1972 erstmalig flog und 28 Jahre später in der Wüste landete. Fast alle Teile des Rumpfs wurden dabei genutzt: Die komplette Nase für den Meditations-Pavillon, das Gästehaus entstand aus der Rumpf der ersten Klasse. Vier weitere Gebäude bestehen zum Teil aus „N611FF“, so die letzte Registrierungsnummer – selbst Triebwerksgondeln und Leitwerk bekamen eine neue Aufgabe. Trotz des Anschaffungspreises und des aufwendigen Transports per LKW und Schwerlast-Helikopter (der alleine schon 36.000 Dollar kostete), betrugen die Kosten des Daches laut Angaben des Architekten nur einen Bruchteil dessen, was sie bei konventioneller Bauweise betragen hätten.

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Auch zersägt noch zu sperrig für die Bergstraße: die Tragflächen kamen per Boeing 234UT Chinook auf den Berg. Foto: David Hertz

Ökologisch und nachhaltig
Natürlich beginnt die Nachhaltigkeit des Wing House schon mit dem Recycling: Große Teile von insgesamt sieben Gebäuden wurden aus dem Material der Boeing 747 konstruiert – eine wunderbare Nutzung von Abfall. Die Tragflächen ermöglichten auch die extrem große, selbsttragende Verglasung: Die hocheffizienten UV- und hitzeabsorbierenden Fenster halten, mit Hilfe der Dämmung in den Tanks der Tragflächen, im Sommer kühl und reduzieren gleichzeitig den Bedarf an künstlichem Licht. Die Heizung – in Kalifornien kaum benötigt – und das hausinterne Stromnetz werden von einer Photovoltaik-Anlage versorgt, Warmwasser stellt eine Solarthermie-Anlage bereit. Auf eine Klimaanlage wurde verzichtet, die Lüftung erfolgt auf natürlichem Weg.

Noch eine Besonderheit zum Schluss: Das Wing House dürfte das weltweit einzige, derartig bei einer Luftfahrtbehörde gemeldete Gebäude sein – die FAA verlangte die Registrierung, um ständigen Falschmeldungen einer angeblich bei Malibu abgestürzten Boeing 747 vorzubeugen.

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Trotz der durchaus futuristischen Anmutung fügt sich das Gebäude perfekt in die Umgebung ein. Foto: David Hertz

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Tragflächen, Höhen- und Seitenleitwerk, aber auch Nase mit Cockpit und diverse Rumpfsegmente der Boeing 747 wurden wiederverwendet. Sogar Triebwerks-Ummantelungen wurden genutzt.

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Foto: Carson Leh

Titelbild: Laura Doss

 

 

O. Rautenberg