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Feuchtigkeit, Kälte, Lüftung – was man gegen Schimmel tun kann

Schimmel gibt es häufig und er beschäftigt nicht nur die Bewohner, sondern auch Vermieter und Gerichte. Was Schimmelpilze benötigen, damit sie in Wohnräumen gedeihen und wie Bewohner vorbeugen können, erklärt Dipl.-Ing. Tobias Schellenberger, Geschäftsführer des IVPU – Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V.

Schwarz-braune Flecken in Zimmerecken, hinter Schränken oder an Dachluken: Wenn sie entdeckt werden, ist die Sorge groß, da Schimmel eine ernste Gesundheitsgefahr darstellen kann. Doch er lässt sich vermeiden: am besten, wenn man weiß, wie er entsteht.

IVPU_Behaglich_Wohnen - ratgeber bauen

Ein Feuchtigkeitsgrad von 40 bis 60 Prozent ist ideal für behagliches Wohnen, ab 65 Prozent Luftfeuchtigkeit besteht die Gefahr von Schimmelbildung.

Was benötigen Schimmelpilze, damit sie in Wohnräumen wachsen und gedeihen können?
Die Voraussetzung für das Wachstum von Schimmelpilzen in Innenräumen ist eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Dazu muss man wissen, dass ein Bewohner – je nachdem wie aktiv er ist – pro Stunde zwischen 45 g und 170 g Feuchte an die Umgebungsluft abgibt. Addiert man in einem Vierpersonenhaushalt noch das Duschen und Kochen dazu, kommen pro Tag rund 10 bis 15 Liter Wasser zusammen, die als Wasserdampf an die Raumluft abgegeben werden.

IVPU_Luftfeuchtigkeit_Fensterlueftung - ratgeber bauen

Ein Vierpersonenhaushalt setzt pro Tag zwischen 10 und 15 Liter Wasser frei. Davon werden lediglich rund zwei Prozent als Diffusion durch die Gebäudehülle ausgetragen. 98 Prozent der Luftfeuchtigkeit werden durch die Fensterlüftung aus dem Innenraum entfernt.

Wie kommt der Schimmel an die Wand?
Ob Luftfeuchtigkeit kondensiert oder nicht, hängt von der Temperatur der Außenwandflächen im Raum ab. Diese vier Faktoren spielen bei Schimmelbildung eine maßgebliche Rolle:

  • Warme Luft kann deutlich mehr Wasser aufnehmen als kältere Luft.
  • Herrscht zwischen Innen und Außen ein großer Temperaturunterschied, wie es z. B. im Winter der Fall ist, kühlt sich die warme, feuchte Raumluft in der Nähe der Wand ab, die relative Luftfeuchte steigt an.
  • Die überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich als Kondensat auf der Wandoberfläche nieder. Eine relative Luftfeuchte von 80 % im Bereich der Bauteiloberflächen reicht aus, dass sich Schimmelpilze bilden können.
  • Die Nährstoffansprüche von Schimmelpilzen sind so gering, dass meist schon der umherfliegende Staub in Wohnräumen für ihre Ernährung ausreicht. Tauwasser und Staub bilden in Verbindung mit Tapetenkleister oder Dispersionsanstrichen einen idealen Nährboden. Schimmelpilze brauchen für ihr Wachstum kein Licht. Deshalb können sie in dunklen Ecken sowie hinter Schränken gedeihen.

Fördert eine Wärmedämmung die Schimmelbildung?
Nein. Eine gute Dämmung verhindert, dass Wärme durch Ritzen und Fugen entweicht und Wände und Böden stark abkühlen. Auch die Behauptung, dass eine Wärmedämmung die Wände am Atmen hindert ist falsch. Menschen atmen, Wände nicht. Der Bauphysiker Erwin Raisch konnte in umfangreichen Versuchen nachweisen, dass ein relevanter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen von Fenstern und Türen, aber nicht durch verputzte Wände erfolgen kann. Er stellte fest, dass der Luftdurchgang pro Stunde durch ein einziges Schlüsselloch in einem Zimmer 50-mal größer ist als durch einen Quadratmeter Außenwand. Die Dämmung sorgt dafür, dass Wände, Böden und Decken nach innen Wärme abgeben.

IVPU_Schimmelbildung - ratgeber bauen

Die richtige Dämmung und Feuchtigkeitsregulierung kann Schimmelbildung verhindern. Ist er allerdings da, so sollte er vom Fachmann beseitigt werden.

Mit welchen Maßnahmen kann man Schimmelpilzbildung vorbeugen?
Fassen wir zusammen: hohe Feuchtigkeit, kalte Räume, keine Lüftung – treffen diese Faktoren zusammen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man in Wohnräumen auch auf Schimmel stößt. Heutzutage benötigen Bauherren eine Art „Gebrauchsanweisung“ für das zeitgemäße Wohnen und ein Verständnis dafür, wie Baukonstruktion, Heizen und Lüften zusammenhängen.

  1. Gute raumumschließende, wärmebrückenfreie Wärmedämmung sorgt im Winter für warme Wände und verhindert die Bildung von Kondenswasser.
  2. Austrocknung der Neubau-Restfeuchte beachten: Durch Beton, Mörtel, Estrich und Putz werden beim Bau eines Einfamilienhauses sehr viel Wasser eingebracht. Diese Feuchtemenge muss abtrocknen. Außerdem sollte innerhalb der ersten beiden Jahre die Wohnung bzw. das Haus besonders intensiv gelüftet werden.
 Auch bei einer energetischen Sanierung muss auf die Mindestdämmwerte für Bauteile (Vgl. EnEV 2014, Anlage 3, Tabelle 1) und die Vermeidung von Wärmebrücken geachtet werden. Nach der Sanierung ist die Gebäudehülle sehr viel dichter, so dass Feuchtigkeit aus den Innenräumen durch gezielte Lüftung abgeführt werden muss. Vorteil ist, dass die Räume bedarfsgerecht gelüftet werden können. Wichtig ist, dass die Bewohner nach einer energetischen Sanierung auf diese „neue Situation“ hingewiesen werden und ihr Lüftungsverhalten umstellen.
  3. Wie oft und wie lange gelüftet werden sollte, hängt von der Außentemperatur und der Anzahl der Personen, die im Haushalt leben, ab. Um frische Luft in die Räume zu lassen, genügt ein kurzes Stoßlüften. Soll jedoch Raumluftfeuchte abgeführt werden, muss eine wirksame Trocknung stattfinden, d. h. Feuchteabfuhr in Verbindung mit Wärmezufuhr. Einfache Regel dafür: Außenluft dosiert rein, Aufwärmen, Raumluft raus.
  4. Darauf achten, dass die Räume ausreichend beheizt werden, denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Außerdem: Türen zu kälteren Räumen geschlossen halten.
  5. Richtig möblieren, um die Luftzirkulation nicht zu behindern. Große, geschlossene Möbelstücke wie z. B. ein Schrank, gehören nicht an eine Außenwand.

Wie hoch die Luftfeuchtigkeit in einem Raum tatsächlich ist, kann man mit einem Hygrometer messen. Ideal ist ein Feuchtigkeitsgrad zwischen 40 und 60 Prozent. Ab 65 Prozent besteht die Gefahr von Schimmelbildung. Werte unter 40 Prozent werden in der Regel als unangenehm empfunden, da die Schleimhäute auszutrocknen beginnen.

Weitere Informationen:
Umweltbundesamt: Umwelteinflüsse auf den Menschen – Schimmel

Das Netzwerk Schimmel e. V. setzt sich mit der bautechnischen, medizinisch-biologischen sowie juristischen Bewertung von Schimmelpilzschäden in Innenräumen auseinander.

BINE Informationsdienst: Behagliches Wohnklima durch Fensterlüftung.

Behagliches Wohnklima und mehr Wohnqualität: PU tut gut.

 

Bilder: IVPU Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V.
O. Rautenberg