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Müssen Wände atmen können?

Beim Wohnen achten wir auf ausgeglichene Temperaturen und Behaglichkeit. Müssen deshalb die Wände atmen können? Klare Antwort: Nein! Tobias Schellenberger, Geschäftsführer des Industrieverbandes Polyurethan-Hartschaum (IVPU) erklärt, wie das Vorurteil der „atmenden Wand“ entstanden ist, warum das Lüften über Fenster stattfindet und wie Schimmel auftreten kann.

Woher stammt das Vorurteil der „atmenden Wand“?

Das immer noch weit verbreitete Vorurteil, „eine Wand müsste atmen können“ entstammt einem Messfehler. Dr. Max von Pettenkofer, der an der Universität München das erste Hygieneinstitut einrichtete, untersuchte vor rund 150 Jahren den Luftwechsel in Wohngebäuden. Vermutlich hatte er versäumt, bei seinen Messungen den Kamin abzudichten. Bereits 1928 wurde die These der „atmenden Wand“ widerlegt. Der Bauphysiker Erwin Raisch stellte fest, dass der Luftdurchgang durch ein einziges Schlüsselloch 50-mal größer ist als durch einen Quadratmeter Außenwand. Ein relevanter Luftaustausch findet durch Fugen und Ritzen von Fenstern und Türen, aber nicht durch verputzte Wände statt.

IVPU Fensterlüftung - ratgeber bauen

Ein Vierpersonenhaushalt setzt pro Tag zwischen 10 und 15 Liter Wasser frei. Davon werden lediglich rund zwei Prozent als Diffusion durch die Gebäudehülle ausgetragen. 98 Prozent der Luftfeuchtigkeit werden durch die Fensterlüftung aus dem Innenraum entfernt. Bild: IVPU

Wie entsteht feuchte Raumluft und was kann man dagegen tun?

Ein Vierpersonenhaushalt setzt pro Tag zwischen 10 und 15 Liter Wasser frei. Ob die Feuchtigkeit kondensiert oder nicht, hängt von der Temperatur der Außenwandflächen im Raum ab. In alten, nicht sanierten Gebäuden mit schlechtem Wärmeschutz erfolgt der Luftaustausch über Ritzen und Fugen und wird vielleicht noch durch einen Kaminzug unterstützt. Wir nehmen das im Winter als unangenehme „Zugluft“ wahr. Eine gute Dämmung verhindert, dass Wärme durch Ritzen und Fugen entweicht und Wände und Böden stark abkühlen. Die Dämmung sorgt dafür, dass die Bauteilinnenflächen nach innen Wärme abgeben. Warme Luft kann wiederum deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kältere Luft. Klar ist, die Wand kann nicht atmen. Um frische Luft in die Räume zu lassen, genügt ein kurzes Stoßlüften. Soll jedoch die feuchte Raumluft abgeführt werden, muss eine wirksame Trocknung stattfinden, d. h. Feuchteabfuhr in Verbindung mit Wärmezufuhr. Einfache Regel dafür: Außenluft dosiert rein, Aufwärmen, Raumluft raus.

Wie kann Schimmel entstehen?

Die Voraussetzung für das Wachstum von Schimmelpilzen in Innenräumen ist eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Herrscht zwischen Innen und Außen ein großer Temperaturunterschied, wie es z. B. im Winter der Fall ist, kühlt sich die warme, feuchte Raumluft in der Nähe einer kalten Wand ab, es bildet sich Tauwasser. Auch hier gilt, ist die Wand auf der Außenseite gedämmt, kühlt sie an der Innenseite weniger aus. Im Winter sollten die Bewohner darauf achten, dass die Räume ausreichend beheizt werden. Außerdem sollte die Luftzirkulation im Raum nicht behindert werden. Große, geschlossene Möbelstücke wie z. B. ein Schrank, gehören also nicht an eine Außenwand.
Wie hoch die Luftfeuchtigkeit in einem Raum tatsächlich ist, kann man mit einem Hygrometer messen. Ideal ist ein Feuchtigkeitsgrad zwischen 40 und 60 Prozent. Ab 65 Prozent besteht die Gefahr von Schimmelbildung. Werte unter 40 Prozent werden in der Regel als unangenehm empfunden, da die Schleimhäute auszutrocknen beginnen.

Wo gibt es weitere Informationen?

BINE Informationsdienst: Behagliches Wohnklima durch Fensterlüftung

Umweltbundesamt: Umwelteinflüsse auf den Menschen – Schimmel

Der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen beantwortet häufig gestellte Fragen zur Gebäude-Luftdichtheit hier.

Warum Gutes schlechtreden? Hier finden Sie Fragen und Antworten rund ums Dämmen.

Foto und Cartoon: IVPU

 

O. Rautenberg