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Das Dach vor Unwetterschäden schützen

Hitze im Sommer, Dauerregen oder starker Schneefall im Winter. Dazu Stürme und Hochwasser, sogar Tornados: Deutschland wird immer häufiger von zunehmend stärker werdenden Extremwetterlagen heimgesucht. Für Mieter und Eigentümer sind dabei aber nicht nur die Schäden am eigenen Haus relevant, auch für die Schäden umherfliegender Teile sind sie verantwortlich.

Moderne Dachfenster sind hagelsicher.

Moderne Dachfenster sind hagelsicher (Velux).

Sturm und Regen sind keine Neuigkeiten, derartiges Wetter tritt schon seit Jahrhunderten gerade in Frühling und Herbst in „schöner“ Regelmäßigkeit auf. Relativ neu hingegen sind Häufung und Stärke dieser Wetterlagen. So hat sich die Schadenhöhe durch Starkwind-Ereignisse nach Angaben der Versicherungswirtschaft in Deutschland seit den 1950er Jahren verdoppelt: Alleine das kaum zwei Stunden dauernde Hagelunwetter vom Juli 2013 verursachte in Baden-Württemberg Schäden in Höhe von 2,3 Mrd. Euro. Für Hausbesitzer bedeutet dies nun wesentlich öfter, alles zu sichern, was nicht niet- und nagelfest ist und – je nach Lage – auch für den richtigen Schutz vor Wasser zu sorgen.

Angriffsfläche Dach
Geht es um Stürme, Gewitter und die auch hierzulande immer öfter auftretenden Tornados, so wird das Dach im Regelfall als erstes in Mitleidenschaft gezogen: Der Übeltäter nennt sich Windsog und dessen Stärke hängt von Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Dachneigung, damit dem „Anstellwinkel“ zum Wind ab.
Hagel zertrümmert zwar so gut wie nie Ziegel, ist das Dach aber bereits wegen Windsog-Schäden offen, dann können Dichtungen und Isolierungen zerstört werden. Als Folge dringt oft Wasser ein, weitere Beschädigungen sind das Resultat. Der Gesamtschaden ist meist immens und Reparaturen sind oft langwierig und teuer.

Dachschäden vermeiden
Bei neueren Häusern ist das – solange nicht gerade ein Wirbelsturm direkt über das Haus fegt – kein Problem. Ältere Häuser, deren Dachziegel nicht nach den 2011 geänderten Vorschriften aufgebracht wurden, sind besonders bei der Windsogsicherung anfällig. Eine Sicherung kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: Nelskamp bietet hierzu den Dachstick an, eine klappbare Sicherung, die bereits am Ziegel befestigt ist. Braas beispielsweise nutzt Sturmklammern. Sie werden mit dem einen Ende – je nach Typ – in die Lattung eingehängt oder eingeschlagen, das andere Ende arretiert den Dachziegel. Bei beiden Varianten wird so ein Abheben und Herunterfallen verhindert. Gleichzeitig wird ein Teil der Windlast aufgenommen und damit die Unterkonstruktion entlastet. Wie viele Klammern oder Ziegel mit Dachstick verbaut werden müssen, hängt von Dachform, Dach-neigung, Gebäudehöhe und dem Standort des Gebäudes ab. Hierzu wurden in Deutschland vier unterschiedliche Windzonen festgelegt.

Der Dachstick von Nelskamp ist fest mit dem Dachziegel verbunden.

Der Dachstick von Nelskamp ist fest mit dem Dachziegel verbunden.

Einige Hersteller bieten auf ihren Webseiten Programme zur Windsog- und Klammerberechnung an. Eine weitere Möglichkeit, die Gefahr eines abgedeckten Dachs zu minimieren, ist die Deckung mit Metallplatten. Sie sind leichter als Tonziegel, von Hagelkörnern nicht zu durchschlagen und gelten aufgrund ihrer Befestigung als sehr sturmsicher. Prefa beispielsweise nennt für seine Aluminium-Elemente dabei Werte von bis zu 235 km/h. Eine große Sturmsicherheit besitzt auch eine Deckung mit Schieferplatten: Sie wird genagelt oder, wie beispielsweise mit dem Rathscheck System DrillSklent, geschraubt.

Aber auch die Fassaden sollten auf lose Teile überprüft werden, schließlich haben Hausbesitzer auf ihrem Grundstück die sogenannte Verkehrssicherungspflicht.

Nicht alles Gute kommt von oben
Die Hersteller von Dachfenstern beobachten die sich ändernden Wetterlagen auch schon lange und rüsten immer weiter auf: Velux bestückt beispielsweise einen Teil seiner Produkte mit Regensensoren, welche die Fenster automatisch schließen. Die Modelle des Herstellers sind außerdem an der Außenseite mit gehärtetem Einscheiben-Sicherheitsglas ausgestattet. Auf den Innenseiten kommt nicht splitterndes, besonders durchschlaghemmendes Float- oder Verbund-Sicherheitsglas zum Einsatz und bei den dreifach verglasten Modellen sind alle Scheiben aus Sicherheitsglas. Der Hersteller testet seine Produkte im hauseigenen Windkanal, wo alle Wetterbedingungen künstlich erzeugt werden können. Hagel wird zudem mit einem 50 Kilogramm schweren Pendel-Hammer simuliert. Ganz allgemein kann man sagen, dass Fensterscheiben auch größerem Hagel schadlos standhalten, im Gegensatz zu Kunststoff-Rollläden. Bieten Sie im Fall der Fälle dem Hagel also lieber mit der Scheibe die Stirn. Einen Rollladen werden Sie bei schwerem Hagel auf jeden Fall ersetzen müssen.

Im Velux-Testcenter gibt es Starkregen auf Knopfdruck.

Im Velux-Testcenter gibt es Starkregen auf Knopfdruck.

Zusatzinfo – gesetzliche Pflicht
Die Verkehrssicherungspflicht bedeutet, dass der Hausbesitzer oder Mieter dafür verantwortlich ist, dass von seinem Haus, Grundstück und den darauf befindlichen Dingen generell – auch bei Sturm – keine Gefahr für Leib und Leben oder den Besitz anderer Menschen ausgeht. Das beinhaltet einfach alles – von der Dachziegel über Wandverkleidungen, Blumenkästen, Gartenstühle und Sichtschutzzäune bis hin zum Baum. Selbst leichte Dächer von Carports stellen eine Gefahr dar, da sie dem Wind meist eine besonders einfache Angriffsfläche bieten.

Fotos: Hersteller

A. Winterhoff