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Es grünt noch grüner – Gründach

Dachbegrünungen helfen, Teile der versiegelten Fläche wieder natürlich zu nutzen. Dazu sparen sie Energiekosten, sind aktiver Umweltschutz und sehen gut aus. Doch wie sind sie aufgebaut, was mache ich mit Photovoltaik-Modulen und welche Voraussetzungen sollte mein Dach haben?

Lesen Sie hier Teil 1: Pros und Contras und ob Gründächer gefördert werden.

Voraussetzung für begrünte Dächer
Eine wesentliche Voraussetzung für die Dachbegrünung ist die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion, da zusätzliche Lasten aufgenommen und sicher abgetragen werden müssen. Bei Neubauten lässt sich dieses Gewicht von Anfang an mit einplanen, bei Bestandsbauten muss ein Statiker die Tragfähigkeit prüfen. Der Dachneigung ist ebenfalls Aufmerksamkeit zu schenken, bei circa 45 Grad Neigung sind die Grenzen erreicht und schon ab zehn Grad Gefälle sind Schub- Und Abrutschsicherungen empfehlenswert. Für die Entwässerung ist eine korrekt dimensionierte Drainageschicht und eine ausreichende Anzahl von Dachabläufen nötig, denn Pfützenbildung sollte immer vermieden werden.

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Dreimal Intensivbegrünung, aber drei unterschiedliche Aufbauten. Von links nach rechts: Hohes Speichervermögen mit Wasserspeicherplatte, Druckbelastbare Drainage und Schüttstoff-Drainage. Grafik: Bauder

Schichtaufbau für flache Dächer
Die Anlage einer Dachbegrünung ist keine Hexerei: Der Schichtaufbau bei einem Dach mit null bis drei Grad Gefälle besteht aus einer Drainage- und einer Substratschicht. Die beiden Schichten werden durch ein Vlies voneinander getrennt, damit die Drainage nicht durch Substrat verunreinigt wird. Die Drainageschicht sollte in etwa einem Viertel der Höhe der Substratschicht entsprechen, mindestens jedoch fünf Zentimeter hoch sein. Am besten eignen sich hierfür mineralische Schüttstoffe, die pH-neutral und frostfest sein sollten.

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Wie ein Dach: Der Highline-Park ist zwar „nur“ die Strecke einer ehemaligen Hochbahn, das Bepflanzungsprinzip gleicht aber dem eines herkömmlichen (flachen) Hausdachs. Foto: ZinCo

Sie werden lose oder in Säcken geliefert und können daher leicht auf das Dach transportiert werden. Als Substrat sollte man speziell für die Extensivbegrünung entwickelte Pflanzsubstrate wählen. Sie sind sehr leicht und können zugleich Wasser besonders gut speichern. Normale Gartenerde eignet sich nicht. Der pH-Wert sollte im neutralen Bereich liegen – und natürlich dürfen keine schädlichen Stoffe enthalten sein. Es lohnt sich, Qualitätsprodukte auszuwählen. Die Struktur sollte für die Pflanzen gut durchwurzelbar sein. Gleichzeitig müssen die Substrate ausreichend physikalische Stabilität besitzen, damit sie nach dem Einbringen nicht in sich zusammensacken.

Zur Verbreitung von Gründächern liegen keine flächendeckenden Erhebungen für Deutschland vor. Eine Ausnahme davon ist Düsseldorf: Dort waren 2008 rund 0,73 Quadratkilometer Dachfläche begrünt. das entspricht rund 2,92 Prozent der Gesamtdachfläche (25 Quadratkilometer) und rund 5,9 Prozent der Grünflächen.

Extensiv oder intensiv?
Wie Sie Ihr Dach bepflanzen können, hängt von einigen Faktoren ab. Das beginnt bei den natürlichen Einflüssen, denn die Pflanzen auf Ihrem Dach müssen mit hohen Strahlungs-intensitäten, Trockenperioden, Vernässung, Nährstoffarmut und Frostperioden zurecht-kommen. Aber auch technische Gegebenheiten wie beispielsweise Dachgröße, -neigung und die maximal mögliche Dachlast spielen eine Rolle. Und nicht zuletzt hängt es auch von der Nutzungsart und Ihrer persönlichen Initiative ab, denn die Intensivbegrünung benötigt deutlich mehr Pflege als die Extensivbegrünung.

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Aufbau des Systems für Extensivbegrünung von ZinCo.

Begrünungsformen

Extensive Begrünung: naturnah angelegte Vegetationsformen mit besonderer Anpassung an extreme Standortbedingungen und hoher Regenerationsfähigkeit, die sich weitgehend selbst erhalten und weiterentwickeln. Meist bestehend aus niedrigwüchsigen Moosen, Sukkulenten, Kräutern und Gräsern.
Höhe & Gewicht: etwa 5-15 Zentimeter, bei etwa 50-170 kg/m²
Dachneigung: bis circa 45 Grad

Pflege: gering, 1 bis 2 Kontrollgänge pro Jahr
Kosten: circa 10 bis 40 Euro/Quadratmeter
Nutzung: „Ökologischer Schutzbelag“

Einfache Intensivbegrünung: im Vergleich zur reinen Extensivbegrünung etwas schwerer, pflegeintensiver und kostspieliger. Die höhere Substratschicht ermöglicht eine größere Auswahl der Pflanzenarten. Neben Wiesenvegetation können niedrige Stauden einbezogen werden. Es fehlen weiterhin hochwachsende Sträucher und Bäume.
Höhe & Gewicht: etwa 12-25 cm, bei etwa 150-200 kg/m²
Dachneigung: bei Dächern bis 11 Grad Neigung ohne besondere Vorkehrungen möglich
Pflege: mittel, periodische Kontrolle und Bewässerung notwendig
Kosten: ab circa 30 Euro/Quadratmeter

Nutzung: „Gestaltete Begrünung“

Intensivbegrünung: Pflanzungen von Stauden und Gehölzen sowie Rasenflächen und Bäumen, die in der Nutzungs- und Gestaltungsvielfalt bei entsprechender Ausstattung mit bodengebundenen Freiräumen vergleichbar sind.
Höhe & Gewicht: etwa 25-100 cm, bei etwa 300-1.200 kg/m²
Dachneigung: nur auf Dächern bis maximal 5 Grad Neigung sinnvoll
Pflege: hoch, regelmäßige Pflege und Bewässerung notwendig
Kosten: ab circa 50 Euro/Quadratmeter
Nutzung: „Gartenanlage“

Besonderheiten: Ab 10 Grad Dachneigung sollten Vorkehrungen zur Aufnahme von Schub- und Erosionskräften getroffen werden.

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Der Begriff „Gründach“ ist hier untertrieben: Dieser Dachgarten ist eine Wohlfühl-Oase. Foto: Optigrün

Paketlösungen
Immer beliebter werden sogenannte Paketlösungen für extensive Dachbegrünungen. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Kunde bekommt alles, was er für eine bestimmte Quadratmeterzahl Dachbegrünung braucht und muss sich keine Gedanken machen, ein bestimmtes Teil vergessen zu haben. Außerdem kann man mit den vorgefertigten Komponenten und der sehr genauen Anleitung beim selbst ausbringen nichts falsch machen. Es gibt inzwischen einige Anbieter, die diese Komplettpakete offerieren – teilweise sogar schon vorbegrünt.

Optigruen-Solar-ratgeber-bauen

Auch Optigrün hat eine Solarmodul-Halterung im Angebot.

Speziallösung für Photovoltaik-Module
Ein Gründach und Photovoltaik schließen sich nicht aus – ganz im Gegenteil. Allerdings bedurfte es der Ideen einiger Hersteller, die gegensätzlichen Anforderungen – ein absolut dichtes Dach für die Begrünung und eine sichere Befestigung der Photovoltaik-Module – in Einklang zu bringen. Die Lösung sind spezielle Wannen, die durch das Gewicht von Substrat und Pflanzen gesichert werden – ohne die gefürchtete Durchdringung des Daches.

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Aufbau in sechs Schritten: Erst der Zusammenbau der Halterungen, …

BauderSOLAR_UK_GD_Montage 3+4 ratgeber bauen

… dann die Befüllung mit der Substrat- bzw. Bodenschicht.

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Zum Schluss werden die Module installiert und verkabelt. Fotos: Bauder

Hier geht es zum ersten Teil unseres Gründach-Beitrags.

Titelbild: Iwan Baan/ZinCo

O. Rautenberg